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Ausbildungs- und Studienorientierung am HGG Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper zu Besuch

Rabe

Montag, 18 Juli 2022

Wenn sonst an einem Freitagmorgen die Türe zu A2 geöffnet wird, begegnet man wissbegierigen Fünftklässlern im Unterricht. Nicht so an diesem Freitagmorgen, denn heute stehen Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 und J1 Rede und Antwort, wenn es um ihre Ausbildungs- und Studienorientierung am HAP Grieshaber Gymnasium geht. Die Gäste sind dabei allesamt Experten auf diesem Gebiet und diejenigen, die an diesem Tag praxisnahe Informationen aus den Reihen der Schülerschaft mit in ihren Berufsalltag nehmen. Theresa Schopper, Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg war eingeladen und konnte von Minute eins an ihre Freude und ihr Interesse an den Erfahrungen der SchülerInnen vermitteln. Nach einem Grußwort durch Schulleiter Marcus Fuhrich, der sich über Theresa Schoppers ersten Besuch überhaupt an einer Reutlinger Schule freute, wies die Kultusministerin auf die Brisanz und Aktualität des Themas hin. Mehr als die Hälfte der Ausbildungsstellen im Land, über 38.000, sind aktuell unbesetzt. Der demografische Wandel verstärkt den Fachkräftemangel, immer weniger SchülerInnen verlassen jährlich die Schulen. Schopper sieht die Berufsorientierung an Schulen als wichtiges Instrument, denn „viele SchülerInnen haben einen Tunnelblick Richtung Abschluss und danach merken sie plötzlich, dass das doch nur ein Etappenziel war“. Was folgt dann? Bei vielen SchülerInnen folgt die Frage danach, was einem persönlich denn wirklich liegen und welcher Beruf nach der Schule glücklich machen könnte. Damit eben diese Frage nach der passenden Berufswahl gelingen kann und nicht erst nach dem Schulabschluss zum Thema wird, gibt es die Berufs-, Studien- und Ausbildungsorientierung an Gymnasien, die am HAP Grieshaber Gymnasium ab Klasse 8 in vielfältiger Art und Weise umgesetzt wird. Einblick in diese Vielfalt gaben stellvertretend sechs Schülerinnen und Schülern vor den geladenen Gästen. Thomas Poreski, Abgeordneter des Landtags für den Wahlkreis Reutlingen und seine wissenschaftliche Referentin Dr. Ulrike Felger folgten der Einladung ebenso wie Uwe Weber in seiner Funktion als Amtsleiter für Schulen, Jugend und Sport der Stadt Reutlingen. Kai Metzger, der für Berufsorientierung zuständige Fachreferent am RP Tübingen, sowie Stefan Nädelin vom BiZ Reutlingen, der seit mehr als 25 Jahren für die Studien- und Berufsberatung am HGG zuständig ist und Judith Heer als stellvertretende Schulleiterin, machten die Runde komplett.

Victoria Beseilius und Wiebke Lechner (J1) gaben zunächst einen Einblick dazu, warum Studien- und Ausbildungsorientierung für die Schülerschaft so wichtig ist, um dann über eigene Erfahrungen im BOGY- Praktikum zu berichten. Victoria Beseilius sprach von einem „spannenden Gefühl“ und beschrieb ihr BOGY in der Apotheke als „Chance, einen guten Einblick zu bekommen“, der letztlich ihren Berufswunsch Apothekerin zu werden, nicht festigen konnte. Pharmazie als Studienwunsch ist dennoch geblieben, eventuell aber eher mit dem Fokus auf Forschung. Andreas Schönberger, seit 10 Jahren der Beauftragte für Berufsorientierung am HGG, bestätigte genau diese Erfahrung und schilderte, dass sehr viele SchülerInnen nach dem BOGY ihren Berufswunsch korrigieren oder nochmals ganz neu ausrichten, weil sich die theoretische Vorstellung vom Traumberuf nicht mit den praktischen Erfahrungen deckt. Joel Knecht (J1) hat an den „Praktikumswochen BW“ teilgenommen. Kernstück dieser neuen Initiative ist eine Online-Plattform, die schnell und unkompliziert Jugendliche und Ausbildungsunternehmen passgenau zusammenbringt. Dadurch konnte Joel Einblick in vier Unternehmen bekommen, die seinen Wunsch, eine Ausbildung im Bereich KFZ/Mechatronik zu machen, bestätigten. Chiara Feick (J1) zeigte auf, warum der angebotene Seminarkurs „Deutscher Gründerpreis für Schülerinnen und Schüler“ ein sinnvoller Baustein bei der Berufsorientierung sein kann und berichtete von der erfolgreichen Teilnahme am Projekttag „Start up BW Young Talents“, bei dem sie sich mit ihrem Team und dem entwickelten fiktiven Startup den Gewinn sichern konnte. Als eines von elf Teams aus ganz Baden-Württemberg steht sie jetzt im Landesfinale. Theresa Schopper zeigte sich begeistert von der Idee „Blind Glasses“, bei der die Digitalisierung für Blinde genutzt wird und lobte die Leistung des Teams. Leon Kimmerle und David Schneider (Klasse 10) schilderten im Anschluss ihre Erfahrungen, die sie in der Schüler-Ingenieurs-Akademie (SIA) machen konnten. Unterstützt durch ihren Lehrer Dr. Holger Hintz und in Zusammenarbeit mit Bosch, sowie gewonnenen Einblicken an der Hochschule Reutlingen, bauten sie ein mit Handy steuerbares Luftschiff. Der Einblick in das „Reutlinger Modell“, ein duales Studium an der Hochschule Reutlingen und der Arbeit bei ortsansässigen Unternehmen, sowie das „learning by doing“, also der theoretischen und praktischen Arbeit mit greifbarem Endprodukt, gefiel beiden AG-Teilnehmern dabei besonders gut.

Theresa Schopper, die die Möglichkeit zur Nachfrage rege nutzte, hob abschließend besonders die Präsentierfähigkeit und Art der Moderation der SchülerInnen hervor. Fähigkeiten, die ihrer Meinung nach ebenfalls in solchen Projekten zur Berufsorientierung erworben werden können.

Stefan Nädelin ergänzte anschließend die individuellen Praxiserfahrungen der SchülerInnen, indem er Einblick in seine Aufgaben als Berufsberater gab. Wichtig zu betonen war ihm, dass es nicht „gute“ oder „schlechte“ Berufe gibt und diese Wertigkeit auch nicht von Studium oder Ausbildung abhänge. Vielmehr verstehe er seine Aufgabe darin, SchülerInnen Wege aufzuzeigen, wie sie beruflich zufrieden werden können – dabei seien besonders Begabungen und Wünsche des Einzelnen wichtig. Bei der Vielfalt der Angebote helfe er einen Überblick zu schaffen und Wege aufzuzeigen. Dass dabei häufig auch Eltern als Weichensteller für ihre Kinder einstehen und mit ihm in Kontakt treten oder auch an Beratungsgesprächen teilnehmen, ist kein neues Phänomen. So erinnert sich auch die Kultusministerin an ihr Abitur 1980 und ihre eigene Mutter, die sie beruflich gern bei der Post gesehen hätte.

Die Schülerschaft des HGGs setzt erfahrungsgemäß den Fokus größtenteils auf ein Studium oder auch duales Studium nach dem Abitur, so Andreas Schönberger. Dennoch ist das Bewusstsein heute durch die individuelle Beratung höher, was es außer einem universitären Studium sonst noch gibt. Der Gleichwertigkeit von Ausbildungs- und Studienorientierung werde durch das sich ständig erweiternde Angebot für SchülerInnen am HGG Rechnung getragen. Die Erwartungen und Voraussetzungen durch die unterrichteten Fächer am Gymnasium, zu nennen ist hier bspw. das Fach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS)“, sowie der Verankerung im Schulgesetz (Studierfähigkeit als Ziel) seien aber richtungsweisend. Einen Wunsch, vielleicht sogar einen Appell nahm Theresa Schopper gerne mit und gestand ein, was „Politiker gerne mal machen“. Schönberger bat nämlich abschließend darum „nachzusteuern und nicht zu übersteuern“ – Ausbildungsorientierung gerne zu stärken, aber auch bereits Vorhandenes weiterzuentwickeln, weil es schon viel Gutes gebe, so z.B. das Projekt „Kooperative Berufsorientierung (KooBO)“. Aber für die Weiterentwicklung fehlten meist die Ressourcen, weil diese in Neues investiert würden. Schopper stimmte zu, dass „Politik gern Neues will“, aber dass „nachsteuern statt übersteuern“ sinnvoller sei, bevor sie zügigen Schrittes die Schule verließ, um zu ihrem nächsten Termin zu eilen – denn sie hatte sich viel Zeit genommen und so waren sich letztlich alle einig, dass der Vormittag ein gewinnbringender Austausch für alle Seiten gewesen ist.

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