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Wir machen es uns schwer“ – Theatersport im HAP Grieshaber Gymnasium

Meldung vom 01.03.2017

 „Wir machen es uns schwer“ – Theatersport im HAP Grieshaber Gymnasium


Zwei Schauspieler-Teams im Wettstreit um die Publikumsgunst. Zwei Moderatoren. Das Publikum als Stichwortgeber und Jury in einem. Solcherlei Zutaten kennen viele vom Theatersport des LTT Tübingen. Am Montag gab es Ähnliches von den beiden diesjährigen Abiturkursen „Literatur & Theater“ des HAP Grieshaber Gymnasiums in Rommelsbach. Unter dem Titel „Impro-Theater – Wir machen es uns schwer“ traute sich die 17köpfige Truppe des Abiturjahrgangs an ein für Schultheater höchst ambitioniertes Projekt: Improvisationstheater. Und es funktionierte. Respekt!
Nachdem Moussa Hussein und Hannes Hochgreve divenhaft in Bademänteln die große Treppe zum Zuschauerraum heruntergeschwebt sind, erklären sie dem noch ahnungslosen Publikum das Prozedere. Zwei Teams, das „A-Team“ und das „Team Badeenten“ treten in sechs Spielrunden gegeneinander an. Nach jeder Runde halten die Besucher blaue oder gelbe Blätter in die Luft, je nach persönlicher Entscheidung. Die Moderatoren allerdings, das wird an diesem Abend klar, haben ihre ganz eigenen Vorstellungen von Mitbestimmung. Nach dem feierlichen Einlauf der Mannschaften und dem Austausch der Maskottchen gibt es zunächst die „Impro-Geschichte am Stück“ zum vom Publikum vorgeschlagenen Titel „Die Waldlichtung“. Die sechs Kombattanten da vorne – drei aus jedem Team – erzählen sehr flüssig, obwohl das Moderatoren-Duo gnadenlos mitten im Wort den Wechsel zum nächsten Erzähler verlangt. Und schon nach einigen Sätzen die Wörter „und“, „aber“ und „oder“ verbietet. Frederik Schlobach als Gewinner der schrägen Geschichte über farbige Meerschweinchen im Wald singt zum Klavierspiel von Benjamin Kleisz ein – ganz offensichtlich tatsächlich improvisiertes – Lied über eine Zoohandlung für jedermanns Meerschweinchen-Geschmack. Alle Achtung, das muss man sich erstmal trauen. Und das Publikum ist entzückt. Wer bisher noch zweifelte, dass an diesem Abend tatsächlich nichts im Vorhinein abgesprochen ist, sieht sich zunehmend eines Besseren belehrt.
Es folgt die erste Runde der improvisierten Szenen, in denen Neologismen verwendet werden müssen – „das sind Wortneuschöpfungen, also erfundene Phantasiewörter“, erläutert Moderator Hannes Hochgreve. Zweite Runde: Der Statuswechsel. Wer am Anfang der Szene schwach und unterlegen beginnt (z.B. als Reinigungskraft im Supermarkt) muss am Schluss der Überlegene sein, etwa, indem er wie hier einen Steuerbetrug aufdeckt. Für den jeweils Mitspielenden gilt das alles entsprechend umgekehrt. – In der dritten Runde folgt der Expertenvortrag, nunmehr vollständig in einer Phantasiesprache gehalten und von einer Mitspielerin mit den genau gleichen Bewegungen ins Deutsche „übersetzt“. Johanna Boeck übersetzt den vom Publikum gewünschten und von Marie Bahns äußerst fremdländisch vorgetragenen Redeschwall zum Thema „Elefantenfüße“, während Christian Hoffmann sich über das Phänomen der Zellteilung auslässt („Zellen haben Füße und krabbeln überall hin“). Ist das Urteil des Publikums einmal nicht ganz eindeutig, greift das Moderatoren-Team, inzwischen bestehend aus Anna Lewin und Daniel Uphoff, gerne auch mal auf „das aus der us-amerikanischen Rechtsphilosophie bekannte Gerechtigkeitsprinzip der so genannten alternativen Fakten“ zurück – und zur Freude des Publikums zu einem großen Würfel, um ihn andächtig zu betrachten: „Sechs!“.


Bei Charakter-Clash der vierten Runde muss jemand aus der ersten Reihe aus einem Hut drei Charaktere ziehen. Die Moderation erklärt: „Wir erfahren nicht, wie sich die drei Spieler entscheiden, das sollte durch ihr Spiel deutlich werden.“ David Eitel entpuppt sich schnell als „Der Unentschlossene“ und Lisa Schrimpf überzeugt als „Schleimerin“, während weitere Mitspielende als „übereifrig“, „hysterisch“ oder „lieb, aber blöd“ glänzen. Auch hierbei kommen die jeweiligen Titel und Gegenstände als Vorschläge natürlich aus dem Publikum.
Nach den folgenden Armvorträgen (witzig: Maximilian Boeck über „Wahrsagen“), bei denen sich zwei hintereinander stehende Spieler in Arme und Stimme teilen, sagen die erneut ausgetauschten Moderatorinnen („Gleitende Arbeitszeit! – Wir gehen heute früher“) Pauline Aab und Nadja Marianowski die als „Königsdisziplin“ charakterisierte letzte Runde an. In den Redefluss einer improvisierten Szene zu einem vom Publikum vorgegebenen Gegenstand und den Stichwörtern „Eheberatung“ und „Elterngespräch“ müssen Zitate aus Georg Büchners „Dantons Tod“; Max Frischs „Homo faber“ und Peter Stamms „Agnes“ ohne zu stocken in die Szene eingebaut werden. Das Publikum krümmt sich vor Lachen, als Nathanael Pallerberg und Julian Ruffner bei Therapeutin Marina Blum ihre Beziehung analysieren und Carla Schäfer als Mutter eines Tunichtgutes im Elterngespräch einräumt, die Tugend müsse „durch den Schrecken herrschen“ – ein Zitat aus „Dantons Tod“. Die zufällig gezogenen Zitate sorgen für jubelnde Begeisterung bei den Mitschülerinnen und –schülern im Publikum. Etwa wenn die Paartherapeutin (Marina Blum) sichtlich erschöpft feststellt, dass „Menschen anstrengend [sind]“ (Homo faber) oder Frederik Schlobach als Vater eines Sohnes, der im Chemiesaal der Schule
Crystal Meth herstellt, abwiegelt: „Religion ist Opium für das Volk“. Das ist richtig locker gespielt und der urkomische Höhepunkt des Abends.
Die Truppe um Lehrer Oliver Kliss zeigt an diesem Abend phantastische Spielfreude und ein beeindruckendes Repertoire an schauspielerischer Beweglichkeit. Schulleiterin Brigitte Kern-Veits schlägt in ihrer laudatio den Bogen von der Bühne zum baldigen Abitur. Die Fähigkeit zum Improvisieren sei nicht ganz fehl am Platz im Marathon der bevorstehenden Prüfungen. Das Publikum feiert die Leistung der beiden Kurse zu Recht mit reichlichem Applaus.

 

Zuletzt geändert am 14.03.2017 um 15:00

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Letzte Änderung: 15.02.2018, 16:56

 
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