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Top Dogs und die Frage, wie Manager mit einer Kündigung umgehen

Meldung vom 15.02.2018

Kündigung. Schockstarre. Arbeitslosigkeit. Was, wenn nicht der normale Arbeitnehmer, sondern der Spitzenmanager, Führungsmanager, der „Top Dog“ davon betroffen ist? Wie gehen die ehemals wichtigen Projektleiter, Manager und „Winnertypen“ damit um?

Der Kurs „Literatur und Theater“ der Kursstufe II am HAP Grieshaber Gymnasium befasste sich in seiner diesjährigen Aufführung „Top Dogs“ des schweizer Autors Urs Widmer mit eben diesen gekündigten Topmanagern, die sich in der NCC, der „New Challenge Company“, zusammenfinden, um wieder in die Berufswelt integriert zu werden. Damit das gelingen kann, muss das Erlebte aber zunächst aufgearbeitet werden.

Im Stück kommentiert der Underdog (Robert Hack) süffisant die Probleme der ehemals wichtigen Manager („Ihr Halstuch signalisiert jedem Personalchef „Schiff in Not!““), während diese ihre Geschichten auf eindrucksvolle Weise auf der Bühne darstellen. Jede Rolle wurde doppelt besetzt und der Wechsel der Darsteller innerhalb des Spiels sorgt für zusätzliche Raffinesse. Beeindrucken konnten Darsteller durch akkurat simultan gesprochene Phrasen, starken emotionalen Ausdruck schauspielerisches Können. So reduziert die Requisiten gewählt wurden (Tisch, Bürostühle, Aktenkoffer und Zeitungen), um so eindrücklicher ist ihre Verwendung in den Spielszenen, sowie den chorischen und choreografischen Passagen. Letztere verleihen der Handlung besonderen Schwung und bebildern sie auf bemerkenswerte Weise. Die stimmige Musik und das passende Licht  wurden einmal mehr von der Veranstaltungstechnik-AG unter Leitung von Heidrun Horn reibungslos eingesetzt.

Zunächst erklären sich die Gekündigten nacheinander – quasi Fall für Fall – wie es zur Kündigung kam. Dora Deer (Lea Kleinbach, Vivien Sautter) hat noch nicht realisert, dass sie gekündigt wurde und braucht Unterstützung, das Geschehene zu realisieren. Petra Müller (Edita Bahtijari, Celine Pilarski ist es augenscheinlich egal, was passiert ist – „Alles kein Problem. Bei mir.“ Susanne Wrage (Theresa Baude, Marlene Fritsch) und Gilles Tschudi (David Belov, Maximilian Boeck) stören sich ebenfalls nicht an der Kündigung, so scheint es. Und auch der betont selbstsichere Michael Neuenschwander (Michael Mohaupt, Patrick Schellmann), der „immer ein Winnertyp war“ und gerade vom Golf GTI auf einen Porsche 911 umgestiegen ist, findet nichts Schlimmes an der Kündigung.

Doch der Schein trügt, wie sich in der Aufarbeitung der Kündigung in der NCC zeigt. Henriette Krause (Laura Cianci, Lara Hopke) spielt sehr überzeugend die psychisch Labile, die angeleitet durch Julika Jenkins (Sofie Kümmerle, Elena Scholer) in einem Rollenspiel sich selbst kündigen soll. Dabei brechen nach und nach ihre privaten Probleme aus ihr heraus und sie steigert sich eindrucksvoll in eine Kündigungsansprache hinein – vom emotionalen Häufchen Elend zur knallharten Manageransage. Gilles Tschudi berichtet von seinem Versuch die Kündigung zu verheimlichen und davon, seine Frau geschlagen zu haben; Petra Müller davon, dass der Mann anfing zu trinken und in der Psychiatrie landete und Susanne Wrage davon, dass der angeblich tolle Urlaub in der Karibik eine einzige Katastrophe war – kurzum: Die Kündigung ist doch nicht so egal, wie es schien. Alle leiden unter der Entlassung.

Szenenwechsel: Bei der Psychologin Müller sollen Julika Neuenschwander-Jenkins und Michael Neuenschwander ihr Alltagsproblem als Ehepaar aufarbeiten. Auch hier dient der Rollentausch und es wird die morgendliche Situation in der Küche nachgespielt. Es entsteht ein extrem unterhaltsamer Beziehungsklamauk – der gekündigte, aber dennoch überhebliche Topmanager, der sich zu fein ist den Müll runter zu bringen und die Leistung seiner Frau nicht zu schätzen weiß, sorgt für beste Unterhaltung.

Letztlich dürfen alle Klienten der NCC nacheinander erzählen, wovon sie träumen. Was sie einmal gerne tun würden. Deer träumt von der Arbeit eines Tierpflegers, Jenkins vom Büro aus Glas in New York, Müller vom Chef, den sie über den Abgrund stoßen und dabei ihre Gewaltfantasien zum Ausdruck bringen kann: „Es zerfetzt ihn. Der schöne, ewig blaue Eisgletscher – völlig versaut.“ Bihler (Philipp Blenz, Jannik Endrich Duarte) will sich bei seiner Frau für 20 Jahre Treue mit luxuriösen Hotelaufenthalten bedanken, doch bei allen Träumereien zeigt sich schnell, dass diese nicht viel mit der Realität zu tun haben und letztlich Träumereien bleiben werden.

An die Träumereien schließt sich die Darstellung einiger Märchen an. So kann Neuenschwander, der die Geschichte von Hans im Glück erzählt, nicht erklären, wie man alles verlieren und dennoch glücklich sein kann. Krause erzählt vom Fischer und seiner Frau, die in ihrer Habgier bestraft wird und Bihler philosophiert über eine Zeit, die kommen wird. Eine Zeit voll Harmonie und Frieden. Doch es wird schnell klar, dass diese Zeit noch in ferner Zukunft liegen wird. Das Stück schließt mit der Verabschiedung von Jenkins, die die Gruppe verlassen wird. Alle wünschen ihr Glück bei ihrem neuen Job und verabschieden sich – für den Rest geht die Suche weiter.

Der Kurs „Literatur und Theater“ unter Leitung von Susanne Resmini erzählt unterhaltsam acht Geschichten von ehemaligen „Top Dogs“, die gerade noch einflussreich und wichtig waren und sich jetzt in einem Seminar zur Reintegration wiederfinden. Dabei zeigen die Protagonisten allesamt ein großes Repertoire ihrer schauspielerischen Fähigkeiten und erarbeiteten ein anspruchsvolles Stück, das mit viel Herzblut und Engagement auf die Bühne gebracht wurde.  Das Publikum feierte die Leistung des Kurses zurecht mit viel Applaus und Schulleiterin Dr. Brigitte Kern-Veits gratulierte zur gelungenen Aufführung.

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 25.02.2018 um 15:49

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Letzte Änderung: 24.10.2018, 10:42

 
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