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Kommunikation 4.0 oder warum Medien asozial sind - Dodokay am HGG

Meldung vom 27.10.2017

 

Eine gut gefüllte Wittumhalle, Schüler, Eltern, Schulleitung und zwei Polizisten – alle warten gespannt auf das, was ein ehemaliger Schüler des BZN zu sagen hat. Dominik „Dodokay“ Kuhn ist gekommen, um über die Entwicklung der Medien und den Einfluss auf die Menschen zu sprechen. Warum sind Medien asozial? Was machen die Medien mit uns heute? Und warum können wir nicht einfach einen gesunden Umgang mit Smartphone, Internet und Co. haben?

Kuhn berichtet zunächst von seiner persönlichen Vergangenheit, von seiner Zeit am BZN („Mein Mathe-Lehrer sitzt auch unter euch“), in der er im September 1987 seine Firma „Starpatrol Entertainment“ gegründet hat und auch davon, dass er eigentlich nie geplant hatte Comedian zu werden – geschweige denn wollte er damit gezielt bekannt werden. Das sei ein Zufall gewesen und dabei habe ihm Youtube natürlich geholfen. „Und trotzdem motze ich heute darüber“, sagt „Dodokay“.

Dennoch geht er zunächst auf die positiven Aspekte ein, die das Internet bietet: „Das Internet isch subber“, sagt er, denn jeder kann sich das Internet zu Nutzen machen. „Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit muss niemand mehr die Schnauze halten.“ Aber genau das sieht Kuhn auch kritisch. Denn jetzt hat auch jeder ein Medium sich mitzuteilen. Auch diejenigen, die vielleicht keine Ahnung haben wovon sie reden. Stichwort „Fake News“. Auf ironische Art und Weise erklärt Kuhn eine neue App fürs Handy, mit der man seinen Handykonsum kontrollieren und einschränken kann und stellt die Frage in den Raum, wie krank das eigentlich sei. Man installiert sich Kontrollmechanismen auf das Handy, um dieses zu nutzen. Kuhn betont immer wieder in seinem Vortrag, dass die Probleme, die er in seinem Vortrag anspricht, nicht immer schon da waren. Nein, sie sind in den letzten 5 bis 10 Jahren entstanden. Und das Hauptproblem bestehe darin, dass der Mensch sich keine Pausen mehr nimmt für Erlebnisse. Keiner geht mehr offline, alles wird online auf Portalen wie Facebook oder Instagram gepostet; per WhatsApp lässt man die Welt daran teilhaben was man minütlich macht. Und genau das mache „irre“, denn nachgewiesenermaßen brauche der Mensch nach 5 Tagen „schaffen“ eine Pause, muss mal „den Stecker ziehen“. Provokant stellt Kuhn die Frage: „Sind wir denn eigentlich blöd?“ Um die Frage dann selbst mit „nein“ zu beantworten. Kuhn geht zurück auf die Stammesvölker, auf Evolutionsbiologie und die Prozesse im menschlichen Gehirn und erklärt, warum wir auch noch heute alles dafür tun, damit wir sozial gut vernetzt sind. Er zeigt den Zusammenhang zwischen dem Medienkonsum und Dopamin auf, der Einfluss auf unser Hirn hat. Bekommen wir mehr „Likes“ auf Facebook oder Instagram sei dies vergleichbar mit dem Konsum von Drogen oder Alkohol. Wir werden süchtig danach. Ungefähr 2,5 Millionen Deutsche gelten heute als „problematische Internet-Nutzer“, wovon 580.000 pathologisch abhängig sind. Ein neues Krankheitsbild.

Kuhn untermauert seine Aussagen mit Zahlen aus Studien, aber auch eigenen Erfahrungswerten. So ist er überzeugt davon, dass heute 15 Mal so viel kommuniziert werde wie vor 20 Jahren, aber nur 20% davon überhaupt relevant seien. „Jeder kann seinen Käse loswerden.“ Er erklärt, warum seiner Ansicht nach Kommunikation heutzutage so schwierig geworden ist. Social contracts, die eigentlich von allein entstehen, bevor man sich verbal austauscht, funktionieren mit dem Handy so nicht mehr. Beispiel WhatsApp: Die „fucking Häkchen“ machen einen verrückt. Der Anbieter nutze die Masche der Häkchen, die zeigen, ob eine Nachricht gelesen wurde, um Geld damit zu verdienen. „Die sind der Tod“, bilanziert Kuhn. Man fühlt sich genötigt, sofort zu antworten und kann diesen Druck nicht einfach abstellen. Firmen haben den Kunden neue social contracts „aufs Auge gedrückt“, um Geld zu verdienen. Aber der Kunde kann diese nicht abstellen, wie Kuhn selber erfahren musste, beim Versuch die SMS-Funktion seinerseits abstellen zu lassen. Und was macht das mit uns? „Jeder ist genervt, aber alle machen mit.“ Denn die Menschen seien „dopaminvergiftet“ mit dem Ergebnis, dass alle immer sofort lesen, was man ihnen geschickt hat. Aber warum ist das asozial? Das Hauptmotiv sieht Kuhn in der Ich-Bezogenheit der Menschen: „Hauptsache, ich hab’s weg. Isch mir doch scheißegal, was der Andere damit macht.“ Aber die Verantwortung liegt bei dem, der schreibt. Warum nervt man Andere und fragt nicht vorher, ob derjenige das lesen oder hören will? Warum macht man heute Selfies? Weil die meisten einfach sehr narzisstisch veranlagt seien. Warum sagt man kurz vor einer Verabredung noch schnell per Whatsapp ab? Weil man es kann und der Abstand es möglich macht. Kuhn ist sich sicher, dass das kaum jemand am Telefon machen würde, denn das koste Überwindung. Aber mit einer Nachricht sei alles möglich.

Bevor Kuhn seinen Vortrag mit Regeln für die sinnvolle und verantwortungsbewusste Nutzung der Medien schließt, rechnet er noch mit denen ab, die diese Art der Kommunikation erst möglich machen und mit der „Legende der Effektivität“ werben – den Telefonanbietern. „Dieser Bullshit bremst“, sagt Kuhn. Und untermauert sein Statement mit Zahlen. So waren 1997 noch 80 Prozent Wirkungsgrad unter Angestellten in westlichen Industrieländern nachweisbar, heute sind es nur noch 50 Prozent. Manager verplempern im Schnitt 4,2 Jahre ihres Leben mit dem Beantworten überflüssiger Nachrichten und Mails, der Normalverbraucher nutze sein Handy täglich 3 Stunden und 16 Minuten. Im Schnitt! Und das sind im Jahr unvorstellbare 45 Tage. Deshalb zieht Kuhn ein klares Fazit: „Seid mutig. Macht was Neues. Steigt zum Beispiel aus WhatsApp-Gruppen aus und geht mal wieder unter Leute. Und ganz wichtig: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Schnauze halten.“

K.Rabe

 

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 27.10.2017 um 09:41

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Letzte Änderung: 13.05.2018, 18:36

 
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